Klimaschutz durch vermiedene Abfallverbrennung kann auch Chemie-, Stahl- und Zementindustrie helfen

Für den Klimaschutz ist die energieintensive Grundstoffindustrie ein entscheidender Faktor: Sie stößt gut ein Fünftel der Treibhausgase in Deutschland aus und muss ihre Emissionen damit bis 2050 um rund 180 Millionen Tonnen CO2 senken, um annähernd klimaneutral zu werden.

Eins haben hierzu die beiden Studien des NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) vom September 2019, erstellt von Öko-Institut und Alwast Consulting, zur Zukunft der deutschen Abfallverbrennungsanlagen sowie die Ende November erschienene gemeinsame Studie von Agora Energiewende und Wuppertal Institut zur deutschen Stahl-, Chemie- und Zementindustrie gemein: Sie zeigen beide gnadenlos die Re-Investitionsbedarfe für fortschrittlichen Klimaschutz innerhalb der nächsten Dekade, also bis zum Jahr 2030, in diesen wichtigen industriellen Kernbereichen bzw. Zukunftsfeldern, v.a. für die großflächige Wasserstoffanwendung auf.

In der Abbildung (oben) ist den jeweiligen heutigen Kapazitäten in den vier Sektoren, der nötige Re-Investitionsbedarf bis zum Jahr 2030 allein auf Grundlage der jeweiligen durchschnittlichen Lebensdauer der Produktionsanlagen/-verfahren gegenübergestellt und die alternativen, klimaneutralen Technologien angegeben.

Hierfür ist jedoch eine Trendumkehr notwendig, denn in den vergangenen zehn Jahren stagnierten die Emissionen. „Wir beobachten zwar Effizienzsteigerungen. Was aber zusätzlich nötig ist, sind Sprunginnovationen bei CO2-armen Schlüsseltechnologien“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Allen voran nennt die Studie hier die stärkere Nutzung von Grünstrom und grünem Wasserstoff, der aus Erneuerbaren Energien hergestellt wird. Beides kann sowohl in der Stahl- als auch in der Chemieindustrie Kohle, Öl und Gas ersetzen. In der Zementindustrie ist aus heutiger Sicht und sofern kein Durchbruch bei alternativen Baustoffen gelingt, die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) unausweichlich, da beim Brennen von Kalk in der Zementproduktion große Mengen an CO2 entstehen.

Eine optimale Verknüpfung zwischen den Sektoren der Chemischen Industrie und der Abfallverbrennung bzw. Kreislaufwirtschaft bildet zudem die Chance auf eine Trendumkehr zu deutlich mehr chemischem Recycling sowie der Produktion von Synthesegas und grünem Wasserstoff aus Abfällen anstelle der Abfallverbrennung. Geeignete Abfälle hierzu sind v.a. reine und gemischte Kunststoffabfälle aber auch trockene Gärreste, Bioabfälle, Holzabfälle u.v.a.

Sieben Maßnahmen im Sofortprogramm von Agora Energiewende/Wuppertal Institut

Stahl-, Chemie und Zementhersteller müssen Investitionsentscheidungen schon heute so treffen, dass sie klimasicher sind. Alles andere würde zu Fehlinvestitionen führen. Die Technologien für eine klimaneutrale Produktion sind schon weit entwickelt, doch ihr großtechnischer Einsatz scheitert bislang an fehlenden politischen Rahmenbedingungen.

Agora Energiewende und das Wuppertal Institut schlagen deshalb ein Sofortprogramm vor, um die deutsche Industrie zum Vorreiter bei grünem Wasserstoff, Elektrifizierung und der Vermeidung von Prozessemissionen innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren zu machen:

1. Staatliche Förderung klimafreundlicher Produktionsverfahren, sogenannte Carbon Contract for Difference (CfD), in den Sektoren Stahl, Chemie und Zement. Die Förderhöhe soll über Ausschreibungen ermittelt werden.

2. Einführung einer Klimaumlage auf Endprodukte wie Stahl, Aluminium, Zement und Kunststoffe, um die CfD-Förderung zu refinanzieren

3. Selbstverpflichtung des Bundes, bei größeren Bauprojekten klimafreundliche Materialien zu verwenden und klimafreundliche Fahrzeuge zu nutzen.

4. Quote für grünen Wasserstoff auf den Absatz von Erdgas: Sie soll zum Aufbau von Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff beitragen.

5. Einstieg in die Kreislaufwirtschaft, um langfristig Stoffkreisläufe zu schließen und so die Verbrennung von Abfall und den Einsatz neuer Rohstoffe zu vermindern (wird auch in der NABU-Studie von den Gutachtern vorgeschlagen).

6. Europäische Koordination durch Einführung dieser Instrumente auch auf EU-Ebene

7. Eintreten der Bundesregierung für einen globalen CO2-Preis auf UN-Ebene

Mehr Informationen hierzu unter:

https://www.agora-energiewende.de/presse/neuigkeiten-archiv/investitionsdilemma-der-energieintensiven-industrie-loesen-und-industriellen-klimaschutz-ermoeglichen/

Alwast Consulting und das Öko-Institut schlagen im Rahmen der NABU-Studie wiederum die deutliche Intensivierung der Kreislaufwirtschaft anstelle der weiteren, so intensiven Nutzung der Abfallverbrennung vor. Mehr hierzu unter:

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/verbrennung/26950.html

Haben Sie also insgesamt zu diesen Sektoren Fragen, so sprechen Sie bitte die jeweiligen Autoren der beiden Studien an, die Ihnen hierzu gerne weitere Auskünfte geben:

Agora Energiewende: Herr Frank Peter (PL), Tel: 030 7001435-123 oder 0170 / 9196 897

Alwast Consulting: Herr Holger Alwast (CEO), Tel: 030 / 37 40 29 31 oder 0179 / 44 99 856

Öko-Institut: Herr Günter Dehoust (PL), Tel.: 030/ 40 508 5355

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